Wichtigster Entscheidungsbaum
Blaugraue Flecken

Das Wichtigste
- Kongenitale dermale Melanozytose: blaugrauer Fleck über Sakrum und Gesäß bei Geburt; keine Behandlung; dokumentieren, da sie Hämatome vortäuscht.
- Naevus Ota (okulodermale Melanozytose): blaugrauer Fleck im Bereich V1/V2 plus bläuliche Sklera; jährliche Augen- und Hautuntersuchungen auf Glaukom und, selten, Melanom.
- Kongenitale melanozytäre Nävi: kleine und mittelgroße haben ein Lebenszeit-Melanomrisiko von etwa 1% oder weniger; große oder Riesennävi (>20 cm projizierte Erwachsenengröße) etwa 2–5%, oft in der Kindheit.
- Großer oder Riesennävus mit vielen Satellitennävi: MRT des Gehirns auf neurokutane Melanose.
- Das Melanom im Kindesalter folgt oft nicht der ABCDE-Regel: Es kann erhaben, einheitlich gefärbt, amelanotisch und blutend sein; dringend zur Exzisionsbiopsie überweisen.
- Vitiligo: kreideweiße, scharf begrenzte Flecken um Augen, Mund und an den Händen; autoimmun; TSH bestimmen.
- Das Pilomatrixom ist ein steinharter, langsam wachsender, bläulicher Knoten an Kopf oder Hals; es bildet sich nicht zurück und wird daher exzidiert.
Blaugraue Flecken
Die kongenitale dermale Melanozytose ist ein flacher blaugrauer Fleck, meist über Sakrum und Gesäß, der bei Geburt vorhanden ist. Sie ist am häufigsten bei Säuglingen afrikanischer, asiatischer, hispanischer und indigener amerikanischer Herkunft.
- Verlauf: Die meisten verblassen in der frühen Kindheit und sind bis etwa zum Alter von 10 Jahren meist verschwunden; einige bleiben bestehen, besonders außerhalb des Sakrums.
- Vorgehen: keine Behandlung. Größe und Lokalisation in der Akte dokumentieren und den Eltern erklären.
- Warum es wichtig ist: Die blaugraue Farbe kann mit Hämatomen verwechselt werden und zu einer Abklärung auf Kindesmisshandlung führen. Hämatome sind druckschmerzhaft, ändern über Tage ihre Farbe und passen zu einem Verletzungsmuster; die dermale Melanozytose nicht.
Naevus Ota und blauer Nävus

- Naevus Ota (okulodermale Melanozytose): blaugrauer Fleck auf einer Gesichtsseite im Bereich V1/V2, oft mit blaugrauer Sklera. Er bleibt lebenslang bestehen.
- Risiken beim Naevus Ota: Glaukom und, selten, okuläres oder kutanes Melanom. Jährliche Augenuntersuchung und regelmäßige Hautkontrollen veranlassen.
- Eine Laserbehandlung kann den Hautfleck auf Wunsch aufhellen.
- Blauer Nävus: kleine, scharf begrenzte, stabile blauschwarze Papel, oft an Hand oder Gesicht. Beobachten; nur bei Veränderung oder atypischem Aussehen exzidieren.
Kongenitale und erworbene Nävi

| Läsion | Wichtige Fakten | Vorgehen |
|---|---|---|
| Kleiner oder mittelgroßer kongenitaler Nävus | Bei Geburt vorhanden; Lebenszeit-Melanomrisiko etwa 1% oder weniger, selten vor der Pubertät | Jährliche Hautkontrolle, Fotos |
| Großer oder Riesennävus (>20 cm projizierte Erwachsenengröße) | Melanomrisiko etwa 2–5%, oft in der frühen Kindheit; Risiko einer neurokutanen Melanose | Lebenslange dermatologische Nachsorge; MRT des Gehirns bei vielen Satellitennävi |
| Erworbene Nävi | Treten nach dem Säuglingsalter auf; klein, rund, einheitlich gefärbt | Beruhigen; Sonnenschutz; Selbstuntersuchung (ABCDE, „hässliches Entlein“) |
| Becker-Nävus | Jugendlicher Junge; großer hellbrauner Fleck an Schulter oder Brust, der in der Pubertät behaart wird | Gutartig; auf Wunsch Laser gegen Pigment oder Haare |
Melanom und andere Hautkrebsarten

Eine rasch wachsende, erhabene pigmentierte Läsion bei einem Jugendlichen ist ein Melanom bis zum Beweis des Gegenteils. Bei jüngeren Kindern fehlen dem Melanom oft die ABCDE-Merkmale von Erwachsenen: Es kann amelanotisch (rosa oder rot), erhaben, einheitlich gefärbt und blutend sein. Es ist zudem weniger an Sonnenexposition gebunden als andere Hautkrebsarten und kann an bedeckter Haut entstehen.
- Nächster Schritt bei jeder melanomverdächtigen Läsion: zügige dermatologische Überweisung zur Exzisionsbiopsie.
- Lentigines solares: einheitlich braune Maculae mit unregelmäßigen Rändern im Gesicht eines hellhäutigen Jugendlichen mit Sommersprossen; ein Zeichen von Sonnenschäden.
- Basalzellkarzinom: perlmuttartige rote Papel an sonnenexponierter Haut, die blutet oder ulzeriert.
- Plattenepithelkarzinom: schuppende oder blutende Papel oder Plaque an sonnenexponierter Haut.
- Prävention: Sonnenschutz durch Schatten, Kleidung und Breitspektrum-Sonnenschutzmittel mit LSF 30 oder höher; keine Solarien.
Weiße Flecken: Vitiligo

- Vitiligo: kreideweiße (pigmentlose), scharf begrenzte Flecken um Augen und Mund und an den Händen. Es handelt sich um eine autoimmune Zerstörung der Melanozyten.
- TSH bestimmen: Die autoimmune Schilddrüsenerkrankung ist die häufigste Begleiterkrankung.
- Behandlung: topisches Steroid oder topischer Calcineurininhibitor; Ruxolitinib-Creme ab dem Alter von 12 Jahren; Sonnenschutz der weißen Haut.
- Pityriasis alba: blasse (nicht weiße), unscharf begrenzte, fein schuppende Flecken im Gesicht eines atopischen Kindes; mit Emollienzien und Sonnenschutz behandeln.
- Eschenblattfleck: blasser ovaler Fleck seit Geburt oder Säuglingsalter; 3 oder mehr (mindestens 5 mm) sind ein Kriterium der tuberösen Sklerose.
Hautknoten

| Knoten | Hinweise | Vorgehen |
|---|---|---|
| Pilomatrixom (Epithelioma calcificans Malherbe) | Steinharter, langsam wachsender, bläulicher Knoten an Gesicht oder Hals | Chirurgische Exzision; bildet sich nicht zurück |
| Granuloma pyogenicum (lobuläres kapilläres Hämangiom) | Leuchtend rote, fragile Papel, die leicht und wiederholt blutet | Entfernung durch Kürettage oder Shave-Exzision mit Kauterisation |
| Neurofibrom | Weiche hautfarbene Papel aus einer Nervenscheide; „Knopfloch“-Zeichen (lässt sich mit dem Finger eindrücken) | NF1-Kriterien prüfen: 2 oder mehr Neurofibrome oder 6 oder mehr Café-au-lait-Flecken >5 mm vor der Pubertät |
Häufige Fragen
Verschwinden Mongolenflecken?
Die meisten Flecken der kongenitalen dermalen Melanozytose verblassen in der frühen Kindheit und sind bis etwa zum Alter von 10 Jahren verschwunden. Flecken außerhalb der Sakralregion bleiben eher bestehen.
Sieht ein Melanom bei Kindern aus wie bei Erwachsenen?
Oft nicht. Das Melanom im Kindesalter ist häufig erhaben, rosa oder einheitlich gefärbt und kann bluten, sodass die ABCDE-Regel es übersehen kann. Ein neuer, wachsender oder blutender Knoten braucht eine zügige dermatologische Beurteilung.
Wie hoch ist das Melanomrisiko eines kongenitalen Riesennävus?
Etwa 2–5% über die Lebenszeit, oft in der frühen Kindheit. Kleine und mittelgroße kongenitale Nävi haben ein Risiko von etwa 1% oder weniger.
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Quellen
- Melanomrisiko bei kongenitalen melanozytären Nävi aller Größen: eine systematische Übersicht (J Eur Acad Dermatol Venereol, 2022)
- AAP Clinical Report: Abklärung bei Verdacht auf körperliche Kindesmisshandlung (Pediatrics, 2015)
- Revidierte Diagnosekriterien für Neurofibromatose Typ 1 und Legius-Syndrom (Genet Med, 2021)
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