Wichtigster Entscheidungsbaum
Schmerz und Analgosedierung: planen, dann die Tiefe wählen

Das Wichtigste
- Die Sedierungstiefe wird über die Reaktion des Kindes definiert: minimal (normale Reaktion auf Ansprache), moderat (gezielte Reaktion auf Ansprache oder leichte Berührung), tief (nur auf wiederholte oder Schmerzreize), Allgemeinanästhesie (keine Reaktion auf Schmerz).
- Tiefe Sedierung: kontinuierliche Pulsoxymetrie, Kapnographie und EKG, Vitalzeichen mindestens alle 5 Minuten.
- Unter Sauerstoffgabe kann die SpO2 normal bleiben, während die Ventilation versagt; die Kapnographie erkennt eine Apnoe früher.
- Apnoe während der Sedierung: Kinn anheben oder Esmarch-Handgriff, dann Beutel-Masken-Beatmung.
- Ketamin (NMDA-Antagonist) bewirkt Dissoziation mit Analgesie und erhält Schutzreflexe und Spontanatmung; der Blutdruck steigt; Erbrechen ist häufig.
- Propofol verursacht Apnoe, Hypotonie und Bradykardie und wirkt nicht analgetisch.
- Paracetamol 15 mg/kg alle 6 Stunden (max. 75 mg/kg/Tag); Ibuprofen 10 mg/kg alle 6–8 Stunden ab 6 Monaten (max. 40 mg/kg/Tag).
Schritt 1: Analgesie und Anxiolyse getrennt planen
Anxiolyse behandelt keinen Schmerz. Ein Kind, das unter minimaler Anxiolyse eine Knochenmarkbiopsie erhält, braucht dennoch ein echtes Schmerzkonzept, etwa Lokalanästhesie plus systemische Analgesie oder eine tiefere Sedierung.
- Bei leichten Schmerzen zuerst nicht-medikamentöse Maßnahmen: Kühlung, Hochlagerung, Ablenkung sowie Vorbereitung und Spiel mit einer Fachkraft für kindgerechte Begleitung (Child Life Specialist).
- Paracetamol 15 mg/kg oral alle 6 Stunden, maximal 75 mg/kg/Tag.
- Ibuprofen 10 mg/kg oral alle 6–8 Stunden bei Kindern ab 6 Monaten, maximal 40 mg/kg/Tag.
- EMLA-Creme (Lidocain 2.5% + Prilocain 2.5%) auf intakte Haut mindestens 1 Stunde vor der Venenpunktion, unter einem Okklusivverband.
| EMLA bei Säuglingen und Kleinkindern | Prüfen |
|---|---|
| Risiko | Methämoglobinämie durch Prilocain, am höchsten bei jungen Säuglingen |
| Vor dem Auftragen | Alter und Gestationsalter, Gewicht, Dosis in Gramm, Hautfläche, Einwirkdauer |
| Wechselwirkungen | Andere Medikamente, die eine Methämoglobinämie verursachen (z. B. Sulfonamide, Nitrate, Dapson) |
Vor der Sedierung

- Atemweg und Begleiterkrankungen beurteilen. Obstruktive Schlafapnoe, schwieriger Atemweg, Adipositas oder neuromuskuläre Erkrankung → Anästhesie konsultieren: Sedierung in der Notaufnahme oder im OP.
- Nüchternstatus prüfen und die Dringlichkeit des Eingriffs gegen das Aspirationsrisiko abwägen.
- Geschultes Personal für Monitoring und Rescue, Absaugung, Sauerstoff und Atemwegsausrüstung vor Beginn bereithalten; ohne sie darf keine moderate oder tiefe Sedierung erfolgen.
- Sedierung ist ein Kontinuum: Das Team muss ein Kind aus einer Stufe tiefer als beabsichtigt retten können.
Wahl des Medikaments

- IV-Ketamin eignet sich für einen kurzen schmerzhaften Eingriff in der Notaufnahme, wenn Atmung und Schutzreflexe erhalten bleiben sollen.
- Eine akute Porphyrie ist keine generelle Kontraindikation für Propofol: Porphyrie-Medikamentenlisten stufen es als unbedenklich ein.
- Eine Entwicklungsverzögerung allein macht Lachgas nicht zur richtigen Wahl; Maskentoleranz, Nasenatmung, Kooperation und Eingriff prüfen.
| Medikament | Hauptwirkungen | Worauf achten |
|---|---|---|
| Ketamin | NMDA-Antagonist; Dissoziation plus Analgesie; Schutzreflexe und Atmung meist erhalten; Blutdruck und Herzfrequenz steigen | Erbrechen (Ondansetron kann es vermindern), Agitation beim Aufwachen, Laryngospasmus |
| Propofol | Rasche Sedierung und Erholung; keine Analgesie | Apnoe, Atemdepression, Hypotonie, Bradykardie |
| Midazolam | Nur Anxiolyse und Amnesie | Atemdepression in Kombination mit Opioiden |
| Lachgas | Anxiolyse mit leichter Analgesie; schneller Wirkeintritt und rasches Abklingen | Erfordert ein kooperatives Kind, das eine Maske toleriert und durch die Nase atmet |
Minimale Sedierung

- Das Kind reagiert normal auf Ansprache; Atmung und Kreislauf sind unbeeinträchtigt.
- Monitoring: Beobachtung mit intermittierender Kontrolle der Sedierungstiefe.
- Lachgas mit höchstens 50% in Sauerstoff, ohne weiteres Sedativum oder Opioid, bei einem sonst gesunden Kind gilt als minimale Sedierung.
Moderate Sedierung

- Das Kind reagiert gezielt auf Ansprache (auch laute Aufforderungen) oder leichte Berührung und atmet selbstständig ausreichend.
- Der Atemweg braucht keine Intervention.
- Monitoring: kontinuierliche Pulsoxymetrie und Herzfrequenz, Kapnographie empfohlen, und eine eigene Person, die die Vitalzeichen dokumentiert.
Tiefe Sedierung und Allgemeinanästhesie

- Tiefe Sedierung: Das Kind ist nicht leicht erweckbar und reagiert gezielt nur auf wiederholte oder Schmerzreize; Unterstützung von Atemweg oder Atmung kann nötig sein.
- Monitoring: kontinuierliche Pulsoxymetrie, Kapnographie und EKG; Vitalzeichen mindestens alle 5 Minuten dokumentieren; eine Person ist ausschließlich für das Monitoring zuständig.
- Unter Sauerstoffgabe kann die SpO2 normal bleiben, während das Kind hypoventiliert; die Kapnographie zeigt die Apnoe zuerst.
- Allgemeinanästhesie: keine Reaktion selbst auf Schmerz; Atemweg und Ventilation müssen meist unterstützt werden.
Rescue und Aufwachphase

- Die Tiefe nach der Reaktion des Kindes beurteilen, nicht nach Medikament oder verabreichter Dosis.
- Apnoe oder Entsättigung: Medikament stoppen, Kinn anheben oder Esmarch-Handgriff, dann Beutel-Masken-Beatmung mit Sauerstoff.
- Ist ein Opioid die Ursache, Naloxon geben; bei einem Benzodiazepin ist Flumazenil eine Option.
- Monitoring fortsetzen, bis die Entlassungskriterien erfüllt sind, einschließlich Rückkehr zum Bewusstseinsniveau vor der Sedierung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen moderater und tiefer Sedierung?
Bei moderater Sedierung reagiert das Kind gezielt auf Ansprache oder leichte Berührung und atmet selbstständig. Bei tiefer Sedierung reagiert das Kind nur auf wiederholte oder Schmerzreize und braucht eventuell Hilfe beim Atemweg.
Warum Kapnographie während der Sedierung?
Weil ein Kind unter Sauerstoff eine normale SpO2 behalten kann, obwohl es zu wenig atmet. Die Kapnographie zeigt Hypoventilation und Apnoe, bevor die Sauerstoffsättigung fällt.
Führt Ketamin zum Atemstillstand?
Meist nicht. Ketamin erhält bei den meisten Kindern die Schutzreflexe und die Spontanatmung, weshalb es für kurze schmerzhafte Eingriffe in der Notaufnahme beliebt ist; das Team muss dennoch auf Laryngospasmus oder Apnoe vorbereitet sein.
Dieses Thema lernen
Quellen
- AAP/AAPD 2019: Leitlinien zu Monitoring und Management pädiatrischer Patienten während und nach der Sedierung (Pediatrics)
- ACEP 2011: Klinische Leitlinie zur dissoziativen Ketamin-Sedierung in der Notaufnahme (Ann Emerg Med)
- AAP 2021: Child-Life-Services, Grundsatzerklärung (Pediatrics)
Für Pedemy in eigenen Worten nach den obigen Quellen geschrieben; geprüft November 2026. Nur zur Bildung, keine medizinische Beratung; prüfen Sie Dosen und lokale Protokolle, bevor Sie Patienten behandeln. Pedemy ist unabhängig und nicht mit den genannten Organisationen verbunden oder von ihnen empfohlen.