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Lernleitfaden · Notfallmedizin

Verdacht auf körperliche Kindesmisshandlung in der Notaufnahme: TEN-4-FACESp

Die Abklärung bei Verdacht auf körperliche Misshandlung in der Notaufnahme hat fünf Schritte: stabilisieren, das ganze Kind untersuchen, nach verborgenen Verletzungen suchen, melden und eine sichere Weiterversorgung planen. Je jünger das Kind, desto mehr verborgene Verletzungen sind zu suchen.

Für Medizinstudierende, Assistenzärzte, Pflegekräfte und Kinderärzte. Nach aktuellen Leitlinien geschrieben; die Entscheidungsbäume stammen aus den Pedemy-Karteikarten. Die Karteikarten sind auf Englisch.

Das Wichtigste

  • Merkschema: stabilisieren → untersuchen → nach verborgenen Verletzungen suchen → melden → sichere Weiterversorgung.
  • TEN-4-FACESp gilt für Kinder unter 4 Jahren mit Hämatomen.
  • Skelettscreening bei Verdacht auf Misshandlung bei Kindern bis 2 Jahre; Wiederholung nach etwa 10–14 Tagen, wenn der Verdacht fortbesteht.
  • Säuglinge unter 6 Monaten mit Verdacht auf Misshandlung brauchen auch ohne neurologische Zeichen eine Kopfbildgebung; bis 12 Monate erwägen.
  • Screening auf okkulte Bauchverletzung mit AST/ALT, Lipase und Urinstatus; AST oder ALT über 80 U/L spricht für ein Abdomen-CT mit i.v.-Kontrastmittel.
  • Bei begründetem Verdacht melden; eine normale Bildgebung allein macht eine Entlassung nicht sicher.

Erkennen: Anamnese und Untersuchung

Der Verdacht auf Misshandlung ergibt sich aus dem Zusammenpassen von Schilderung, Verletzung und Entwicklung des Kindes, nicht aus Einkommen, Rauchen oder Struktur der Familie.

  • Warnzeichen in der Anamnese: keine Erklärung, eine sich ändernde oder widersprüchliche Schilderung, ein Mechanismus, den das Kind entwicklungsgemäß nicht bewältigen könnte, oder eine ungeklärte Verzögerung der Vorstellung.
  • Eine vollständige Untersuchung von Kopf bis Fuß am entkleideten Kind durchführen, einschließlich Kopfhaut, Ohren, Mund und Frenulum sowie Windelbereich.
  • Hämatome bei einem nicht mobilen Säugling passen nicht zu seinen Fähigkeiten und können eine Sentinel-Verletzung vor schwerer Misshandlung sein.
  • Objektive Befunde (Größe, Lokalisation, Muster, Fotos), die Anamnese und wer sie gab, wörtliche Aussagen, Untersuchungen, Konsile und die Einzelheiten der Meldung dokumentieren.

Hämatome: die TEN-4-FACESp-Regel

Die Regel gilt für Kinder unter 4 Jahren mit einem Hämatom. Jeder positive Teil bedeutet, dass das Hämatom eine Misshandlungsabklärung braucht; er beweist keine Misshandlung.

BuchstabenBedeutung
TENHämatome an Rumpf (Torso), Ohren (Ears) oder Hals (Neck)
4Jedes Hämatom an beliebiger Stelle bei einem Säugling im Alter von 4.99 Monaten oder jünger
FACESFrenulum, Kieferwinkel (Angle), fleischige Wangen (Cheeks), Augenlider (Eyelids), subkonjunktival (Subconjunctivae)
pGeformte Hämatome (patterned: Schlaufe, Hand, Biss, Gegenstand)

Bedenkliche Frakturen und Verbrennungen

  • Klassische metaphysäre Läsionen.
  • Rippenfrakturen, besonders dorsal.
  • Jede ungeklärte Fraktur bei einem Kind, das noch nicht läuft.
  • Frakturen in unterschiedlichen Heilungsstadien.
  • Verbrennungen: Immersionsmuster, strumpf- oder handschuhförmige Verteilung, scharfe Ränder, gleichmäßige Tiefe oder eine Kontaktverbrennung in Form eines Gegenstands.

Nach verborgenen Verletzungen suchen: Bildgebung nach Alter

Misshandlungsbedingtes Schädel-Hirn-Trauma, Rippenfrakturen und Bauchverletzungen verlaufen bei Säuglingen oft stumm; deshalb erhalten kleine Kinder Screeninguntersuchungen, auch wenn sie gesund wirken.

AlterSkelettKopf
≤2 JahreSkelettscreening (gezielte Einzelaufnahmen, kein Babygramm); Wiederholung nach etwa 10–14 Tagen, wenn der Verdacht fortbestehtUnter 6 Monaten: Kopfbildgebung auch ohne Symptome. 6–12 Monate: erwägen. Über 12 Monate: nach Befunden
Über 2 JahreNicht automatisch: symptomatische Bereiche abbilden; Screening im Einzelfall erwägenSchädel-CT bei Verdacht auf Kopfverletzung, etwa GCS unter 15 oder fokalen Zeichen

Okkulte Bauchverletzung

  • Screening-Labor: Blutbild, PT/INR, PTT, erweitertes Stoffwechselprofil (CMP, mit AST und ALT), Lipase und Urinstatus.
  • AST oder ALT über 80 U/L ist ein häufig verwendeter Auslöser für ein Abdomen-CT mit i.v.-Kontrastmittel.
  • CT mit i.v.-Kontrastmittel bei Hämatomen an Bauch oder Thorax und Bauch, Druckschmerz, Distension, Abwehrspannung oder Blut im Urin.
  • Eine Bauchverletzung durch Misshandlung kann ganz ohne Hämatome auftreten.

Melden und eine sichere Weiterversorgung planen

  • Bei begründetem Verdacht an das Jugendamt (Kinderschutzbehörde) melden. Beweis, positive Bildgebung oder eine Offenbarung sind nicht nötig.
  • Jede ärztliche Person, die Misshandlung vermutet, ist dafür verantwortlich, dass die Meldung erfolgt.
  • Wo verfügbar, das Kinderschutzteam einbeziehen.
  • Die Entlassung erfordert sowohl medizinische Stabilität als auch einen sicheren Ort, abgestimmt mit der Kinderschutzbehörde; eine normale Bildgebung allein reicht nicht.
  • Geschwister und andere junge Haushaltsangehörige nach Empfehlung des Kinderschutzteams untersuchen.

Häufige Fragen

Welche Kinder brauchen bei Verdacht auf Misshandlung ein Skelettscreening?

Kinder bis 2 Jahre mit Verdacht auf körperliche Misshandlung. Ältere Kinder erhalten eine Bildgebung schmerzhafter oder auffälliger Bereiche, ein Screening nur im Einzelfall.

Wofür steht TEN-4-FACESp?

Hämatome an Rumpf (Torso), Ohren (Ears) oder Hals (Neck); jedes Hämatom im Alter von 4.99 Monaten oder jünger; Hämatome an Frenulum, Kieferwinkel (Angle), Wangen (Cheeks), Augenlidern (Eyelids) oder subkonjunktival (Subconjunctivae); sowie geformte Hämatome (patterned). Die Regel gilt für Kinder unter 4 Jahren.

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Quellen

Für Pedemy in eigenen Worten nach den obigen Quellen geschrieben; geprüft November 2026. Nur zur Bildung, keine medizinische Beratung; prüfen Sie Dosen und lokale Protokolle, bevor Sie Patienten behandeln. Pedemy ist unabhängig und nicht mit den genannten Organisationen verbunden oder von ihnen empfohlen.

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