Wichtigster Entscheidungsbaum
Substanzkonsum: jeden Jugendlichen screenen, dann handeln

Das Wichtigste
- Alle Patienten von 11–21 Jahren vertraulich mit einem validierten Instrument wie CRAFFT oder S2BI screenen; ein CRAFFT-Score ≥2 erfordert eine weitere Abklärung.
- Alkohol ist die von US-Highschool-Schülern am häufigsten konsumierte Substanz; illegales Fentanyl verursacht die meisten Überdosis-Todesfälle bei Jugendlichen.
- Urin-Immunoassays sind qualitativ; ein unerwartet positives Ergebnis mit GC-MS bestätigen; Standardpanels erfassen Fentanyl, K2, Badesalze und Steroide nicht.
- Opioid-Überdosis: Atmung mit Beutel-Masken-Beatmung unterstützen, dann Naloxon (i.v. 0.1 mg/kg, max. 2 mg), bei Bedarf wiederholen.
- Opioidgebrauchsstörung: Buprenorphin plus verhaltenstherapeutische Beratung; Naltrexon erst nach 7–10 opioidfreien Tagen.
- Sympathomimetische Toxizität (heiß, schneller Puls, hoher Blutdruck, weite Pupillen): zuerst Benzodiazepin plus Kühlung; bei Kokain-Thoraxschmerz keine Betablocker.
- Langzeit-Benzodiazepine nie abrupt absetzen (Krampfanfälle); um etwa 5–10% alle 2–4 Wochen ausschleichen.
Screening, Kurzintervention und Drogentests
Den Jugendlichen allein befragen, nach Erklärung der Vertraulichkeit, mit einem validierten Instrument wie CRAFFT oder S2BI. Dies bei jedem Besuch von 11 bis 21 Jahren tun. Das Risiko ist höher bei Konsum in Familie oder Freundeskreis sowie bei unbehandelten psychischen Problemen oder ADHS.
Jugendliche, die verschreibungspflichtige Stimulanzien missbrauchen, bekommen sie meist von Freunden oder Mitschülern; daher Jugendliche mit ADHS-Medikation beraten, Tabletten nie weiterzugeben.
- Kein Konsum: die Entscheidung loben und jährlich erneut screenen.
- Konsum ohne Störung (zum Beispiel Alkohol ein- oder zweimal im letzten Jahr ohne CRAFFT-Probleme): kurzer Rat aufzuhören, mit Gesundheits-, Schul- oder Sportzielen verknüpfen und beim nächsten Besuch erneut prüfen.
- Warnzeichen (CRAFFT ≥2, häufiger Konsum, Opioide, Überdosis, Suizidgedanken): weiter abklären und überweisen.
- Die Vertraulichkeit endet bei einem Sicherheitsrisiko, etwa Autofahren nach Alkoholkonsum: einen Elternteil einbeziehen.
| Aspekt des Drogentests | Was man wissen sollte |
|---|---|
| Einwilligung | Nur mit klinischem Grund und Wissen des Jugendlichen testen; keine heimlichen Tests; von geheimen Heimtests abraten |
| Art des Ergebnisses | Immunoassays sind ja/nein (qualitativ); sie zeigen weder Menge noch Zeitpunkt |
| Bestätigung | Unerwartet positiv → Gaschromatographie–Massenspektrometrie (GC-MS) |
| Falsch positive Ergebnisse | Bupropion → Amphetamine; Chinolone → Opiate |
| Von Standardpanels nicht erfasst | Fentanyl, synthetische Cannabinoide (K2), Cathinone (Badesalze), anabole Steroide; oft Clonazepam und Lorazepam → umfassende Testung anordnen |
| Wie lange positiv | Cannabis bis ~30 Tage nach täglichem Konsum (fettlöslich); Kokain einige Tage; MDMA etwa 1–2 Tage (2–4 nach starkem Konsum) |
Alkohol, Benzodiazepine und GHB

- Alkohol: Enthemmung, dann verwaschene Sprache und Ataxie, dann Stupor mit steigendem Spiegel; mit Blut- oder Atemalkohol bestätigen.
- Kleinkind, das Ethanol getrunken hat (zum Beispiel Mundspülung): zuerst Point-of-Care-Glukose prüfen, da Ethanol eine Hypoglykämie verursacht.
- Reagiert schlechter, als der Spiegel erklärt (zum Beispiel 60 mg/dL, aber nur Reaktion auf Schmerz): nach Mischintoxikation oder Kopfverletzung suchen.
- Benzodiazepin-Überdosis: Sedierung, verwaschene Sprache und Ataxie mit nahezu normalen Vitalzeichen und Pupillen; die Atmung verlangsamt sich vor allem bei Opioiden oder Alkohol. Gefälschte "Xanax"-Tabletten können Fentanyl oder Bromazolam enthalten.
- GHB: plötzliches tiefes Koma, dann abruptes Erwachen mit Amnesie Stunden später; es verschwindet rasch aus dem Urin.
- Benzodiazepin-Entzug nach langem, starkem Gebrauch kann Krampfanfälle verursachen und tödlich sein: nie abrupt absetzen; auf langsames Ausschleichen um etwa 5–10% alle 2–4 Wochen umstellen.
Cannabis, Vaping und Nikotin

- Cannabis-Intoxikation: gerötete Augen, schneller Puls, gesteigerter Appetit, trockener Mund, verlangsamte Reaktionen und verwaschene Sprache.
- Synthetische Cannabinoide (K2, Spice): schwerere Agitation, Halluzinationen, Psychose und Krampfanfälle; vom THC-Screening nicht erfasst.
- Starker täglicher Konsum: Husten und Giemen, Gedächtnis- und Schulleistungsabfall sowie ein dosisabhängiges Psychoserisiko, einschließlich späterer Schizophrenie.
- Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom: täglicher Konsum mit wiederholten Episoden schweren Erbrechens und beschwerdefreien Intervallen; heiße Duschen lindern die Attacken; Beenden des Cannabiskonsums ist die definitive Therapie.
- Entzug: Cannabis senkt den Appetit; Nikotinentzug steigert ihn. Beide verursachen Reizbarkeit und schlechten Schlaf.
- E-Zigaretten-Konsum bei Jugendlichen erhöht das Risiko für späteres Zigarettenrauchen.
- EVALI: Husten, Hypoxämie und beidseitige Milchglastrübungen ohne Infektion nach Vaping, am stärksten mit Vitamin-E-Acetat in THC-Produkten verbunden.
- Nikotinabhängigkeit: verhaltenstherapeutische Beratung für jeden Jugendlichen, mit Nikotinersatz bei mittelschwerer bis schwerer Abhängigkeit.
Stimulanzien: Methamphetamin, Cathinone, MDMA, Kokain

Das sympathomimetische Toxidrom umfasst hohe Temperatur, schnellen Puls, hohen Blutdruck, weite Pupillen, Schwitzen und Agitation.
- Methamphetamin ("Speed"): Paranoia; schwere Fälle mit Hyperthermie, Krampfanfällen und ventrikulären Arrhythmien. Chronischer Konsum verursacht "Meth-Mund" (ausgedehnte Karies). Der Entzugs-"Crash" bringt gedrückte Stimmung, Hypersomnie, gesteigerten Appetit und Craving.
- Synthetische Cathinone (Badesalze): schwere, aggressive Agitation, die Tage bis Wochen anhalten kann; Krampfanfälle, Rhabdomyolyse und Nierenschädigung; von Standard-Urinscreenings nicht erfasst.
- MDMA ("Molly"): Hyponatriämie durch ADH-Freisetzung plus starkes Wassertrinken, mit Krampfanfällen; außerdem Hyperthermie, Zähneknirschen und Rhabdomyolyse.
- Kokain: Die Wirkung hält einige Stunden an; der Urin bleibt einige Tage positiv. Thoraxschmerz oder Myokardinfarkt, Nasenbluten, Septumperforation und Schlaganfall durch Blutdruckspitzen und Vasospasmus.
- Therapie: zuerst i.v. Benzodiazepin, aktive Kühlung und i.v. Flüssigkeit; CK und EKG prüfen. Temperatur weiterhin über 41 °C (105.8 °F): Intubation mit nichtdepolarisierender Relaxierung. Ketamin zur Einleitung vermeiden.
- Kokain-Thoraxschmerz: Benzodiazepin plus Acetylsalicylsäure und Nitrate; Betablocker vermeiden.
- MDMA-Hyponatriämie mit Krampfanfällen: hypertone Kochsalzlösung.
Opioide: Überdosis, Entzug und Gebrauchsstörung

- Überdosis: stecknadelkopfgroße Pupillen, langsame Atmung und Koma. Die meisten Überdosis-Todesfälle bei Jugendlichen betreffen heute illegales Fentanyl, oft in gefälschten Tabletten, die wie Oxycodon ("M30") oder Alprazolam aussehen.
- Therapie: Atemweg öffnen und mit Beutel-Maske beatmen, dann Naloxon (i.v. 0.1 mg/kg, max. 2 mg), bei Bedarf wiederholen; auf erneute Sedierung beobachten.
- Xylazin als Streckmittel: bleibt nach Naloxon sediert und bradykard, mit nekrotischen Hautwunden; Naloxon hebt es nicht auf, daher die Atmung weiter unterstützen.
- Naloxon-Nasenspray ist in den USA seit 2023 rezeptfrei erhältlich; jeden gefährdeten Jugendlichen mit einem Kit nach Hause schicken.
- Entzug: weite Pupillen, Gähnen, Tränenfluss, laufende Nase, Gänsehaut und Durchfall, Beginn 8–24 Stunden nach einem kurz wirksamen Opioid; unangenehm, selten tödlich. Clonidin lindert autonome Symptome; auf niedrigen Blutdruck und Bradykardie achten.
- Opioidgebrauchsstörung: mindestens 2 von 11 Kriterien in 12 Monaten; 2–3 leicht, 4–5 mittelgradig, 6 oder mehr schwer.
- Therapie: Buprenorphin (keine Sondergenehmigung nötig) mit verhaltenstherapeutischer Beratung. Retard-Naltrexon erst nach 7–10 opioidfreien Tagen, um einen ausgelösten Entzug zu vermeiden.
Halluzinogene, Dextromethorphan und Inhalanzien

- LSD: Synästhesie ("Farben hören"), weite Pupillen, lebhafte Halluzinationen bei nahezu normalen Vitalzeichen; Paranoia und Aggression möglich; später Flashbacks. Beruhigen; Benzodiazepin bei schwerer Agitation.
- PCP: vertikaler Nystagmus, Ataxie, gewalttätige Paranoia, hoher Blutdruck und Schmerzunempfindlichkeit; Benzodiazepin, CK prüfen und i.v. Flüssigkeit geben.
- Dextromethorphan (Hustensaft): Euphorie, Halluzinationen, Ataxie und Nystagmus 30–60 Minuten nach Einnahme; wegen Kombinationspräparaten einen Paracetamolspiegel bestimmen.
- Hinweise auf Inhalanzien: Ausschlag um Mund und Nase, Lösungsmittelgeruch, Farbe auf der Haut, Tränenfluss, laufende Nase und Speichelfluss.
- Plötzlicher Schnüffeltod: Das Myokard ist gegenüber Katecholaminen sensibilisiert → ventrikuläre Arrhythmie. Nach einer Synkope EKG und Monitoring; den Jugendlichen ruhig halten.
- Chronischer Toluolkonsum: metabolische Azidose ohne Anionenlücke mit niedrigem Kalium (distale RTA).
- Nitrite (Poppers): Methämoglobinämie mit Zyanose trotz Sauerstoff, schokoladenbraunem Blut und normalem PaO2 → Methylenblau.
- Lachgas (Whippets): kurze Euphorie; langes Inhalieren verursacht Hypoxie; wiederholter Konsum inaktiviert Vitamin B12 → Neuropathie, Ataxie oder Psychose; Konsum beenden und B12 geben.
- Kräftiges Inhalieren kann einen Pneumothorax verursachen.
Anabol-androgene Steroide

Bei raschem Muskelzuwachs, Akne, Aggression und starkem Fokus auf das Körperbild an Steroide denken. Ein routinemäßiges Urin-Drogenscreening erfasst sie nicht; eine spezifische Testung anfordern.
- Jungen: Hodenatrophie, Gynäkomastie und niedrige Spermienzahl. Mädchen: tiefe Stimme, Klitorisvergrößerung und Zyklusveränderungen.
- Vorzeitiger Epiphysenfugenschluss → geringere Endgröße.
- Herz: HDL sinkt, LDL steigt, hoher Blutdruck, Arrhythmien und Kardiomyopathie.
- Leber: cholestatischer Ikterus; außerdem Sehnenrupturen.
- Psyche: Depression, Angst, Aggression oder Manie, Suizidalität und Muskeldysmorphie; psychische Gesundheit screenen.
- Blutdruck, Lipide, EKG, Leber- und Nierenwerte prüfen; an die Endokrinologie überweisen, wenn sich die Hormone nach dem Absetzen nicht erholen.
Häufige Fragen
Wie screent man Jugendliche auf Substanzkonsum?
Den Jugendlichen ab 11 Jahren bei jedem Besuch allein und vertraulich mit einem validierten Instrument wie CRAFFT oder S2BI befragen, dann je nach Ergebnis kurzen Rat, Verlaufskontrolle oder Überweisung geben.
Erfasst ein Urin-Drogenscreening Fentanyl?
Nein. Der Standard-Opiat-Immunoassay erfasst Fentanyl, synthetische Cannabinoide und Badesalze nicht; eine spezifische oder umfassende Testung anordnen.
Wie ist die Naloxon-Dosis bei Kindern?
0.1 mg/kg i.v., bis 2 mg pro Dosis, bei Bedarf wiederholt, nachdem die Atmung mit Beutel-Masken-Beatmung unterstützt wurde.
Wie lange bleibt Cannabis im Urin nachweisbar?
Nach täglichem Konsum kann THC im Urin bis etwa 30 Tage positiv bleiben, da THC fettlöslich ist; nach einmaligem Konsum meist einige Tage.
Dieses Thema lernen
Quellen
- AAP Clinical Report: Screening auf Substanzkonsum, Kurzintervention und Überweisung zur Behandlung (Pediatrics 2016)
- AAP Clinical Report: Testung auf Drogen bei Kindern und Jugendlichen (Pediatrics 2014)
- AAP Policy Statement: Medikamentengestützte Behandlung von Jugendlichen mit Opioidgebrauchsstörung (Pediatrics 2016)
- AHA 2023 Focused Update: Herzstillstand oder lebensbedrohliche Toxizität durch Vergiftung (Circulation)
- AAP Clinical Report: Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Tabak und Nikotin (Pediatrics 2023)
Für Pedemy in eigenen Worten nach den obigen Quellen geschrieben; geprüft November 2026. Nur zur Bildung, keine medizinische Beratung; prüfen Sie Dosen und lokale Protokolle, bevor Sie Patienten behandeln. Pedemy ist unabhängig und nicht mit den genannten Organisationen verbunden oder von ihnen empfohlen.