Wichtigster Entscheidungsbaum
Halsschmerzen: Streptokokken, Virus oder Gefahr?

Das Wichtigste
- Eindeutige virale Zeichen (Husten, Schnupfen, Konjunktivitis) → kein Streptokokkentest, auch nicht bei Belägen.
- Verdacht auf GAS: testen; einen negativen Schnelltest bei Kindern und Jugendlichen durch eine Rachenkultur absichern.
- GAS: Amoxicillin 50 mg/kg einmal täglich (max. 1,000 mg) für 10 Tage; Benzathin-Penicillin G 600,000 Einheiten bei <27 kg, 1.2 Millionen Einheiten bei ≥27 kg.
- Retropharyngealabszess: kleines Kind, Fieber, Speichelfluss, schmerzhafte Halsreklination; Atemweg sichern, dann Hals-CT mit i.v. Kontrastmittel.
- Peritonsillarabszess: Jugendlicher, Kieferklemme, kloßige Sprache, Uvula zur Gegenseite verdrängt → Drainage plus Antibiotika.
- NTM-Lymphadenitis: gesundes Kleinkind 1–4 Jahre, livide submandibulärer Lymphknoten → vollständige chirurgische Exzision, keine Inzision und Drainage.
- Die Ductus-thyreoglossus-Zyste steigt beim Schlucken und Herausstrecken der Zunge; die Dermoidzyste bewegt sich nur mit der Haut.
Halsschmerzen: Streptokokken oder Virus?
Die Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A (GAS) beginnt typischerweise plötzlich bei einem Schulkind mit Halsschmerzen, Fieber, Gaumenpetechien und druckschmerzhaften vorderen Halslymphknoten, ohne Husten, Schnupfen oder Konjunktivitis.
Die Untersuchung allein kann GAS nicht diagnostizieren. Beläge machen GAS nicht wahrscheinlich, wenn eindeutige virale Zeichen vorliegen.
- Eindeutige virale Zeichen (Husten, Rhinorrhö, Konjunktivitis, Heiserkeit, orale Ulzera): nicht testen, keine Antibiotika, symptomatische Therapie.
- Verdacht auf GAS: Antigen-Schnelltest; wenn negativ bei einem symptomatischen Kind oder Jugendlichen, eine Rachenkultur einschicken.
- Positive Schnelltests brauchen keine Kultur.
- Unter 3 Jahren: Routinetests sind meist nicht nötig, da GAS-Pharyngitis und rheumatisches Fieber selten sind. GAS kann sich in diesem Alter als Streptokokkose zeigen: mukopurulente Rhinitis, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit und leichtes Fieber.
Behandlung der Streptokokken-Angina

- Amoxicillin 50 mg/kg einmal täglich (maximal 1,000 mg pro Tag) für 10 Tage. Eine 5-tägige Therapie reicht nicht aus.
- Penicillin V für 10 Tage ist ebenfalls Mittel der ersten Wahl.
- Eine i.m. Einzeldosis Benzathin-Penicillin G: 600,000 Einheiten unter 27 kg; 1.2 Millionen Einheiten ab 27 kg.
- Nicht anaphylaktische Penicillinallergie: ein Cephalosporin der ersten Generation (Cefalexin oder Cefadroxil) für 10 Tage.
- Penicillin-Anaphylaxie: Azithromycin für 5 Tage oder Clindamycin für 10 Tage.
- GAS 2 Wochen nach vollständiger Amoxicillin-Therapie erneut positiv: Amoxicillin-Clavulansäure, Clindamycin oder i.m. Benzathin-Penicillin.
- Rückkehr in die Schule, wenn fieberfrei, ausreichend wohl und mindestens 12–24 Stunden nach Beginn der Antibiotika.
Peritonsillarabszess und Lemierre-Syndrom

Der Peritonsillarabszess ist bei Jugendlichen am häufigsten. Er verursacht starke einseitige Halsschmerzen, Kieferklemme, eine dumpfe kloßige Sprache und eine geschwollene Tonsille, die die Uvula zur Gegenseite verdrängt.
- Drainage (Nadelaspiration oder Inzision) durch HNO plus Antibiotika: Ampicillin-Sulbactam oder Clindamycin.
- Stationäre Aufnahme für i.v. Antibiotika, wenn das Kind nicht schlucken kann, toxisch wirkt oder der Atemweg gefährdet ist.
- Lemierre-Syndrom: nach einer Pharyngitis anhaltendes Fieber mit druckschmerzhafter Schwellung entlang des M. sternocleidomastoideus = septische Thrombophlebitis der V. jugularis interna, meist Fusobacterium necrophorum. Septische Emboli gelangen in die Lunge.
- Lemierre-Therapie: verlängerte i.v. Antibiotika mit Anaerobierwirkung (z. B. Ampicillin-Sulbactam oder eine Kombination mit Metronidazol) und Drainage von Abszessen.
Retropharyngealabszess und andere tiefe Halsinfektionen

Der Retropharyngealabszess ist vor allem eine Erkrankung kleiner Kinder. Fieber, Speichelfluss, ein steifer Hals mit schmerzhafter Reklination, Stridor und eine Vorwölbung der Rachenhinterwand sind die Hinweise. Bei Jugendlichen folgt er meist einem Rachentrauma, etwa durch einen Fremdkörper oder Instrumentierung.
- Zuerst der Atemweg, mit HNO und Anästhesie, wenn er bedroht ist.
- Die seitliche Halsröntgenaufnahme in Inspiration bei rekliniertem Hals zeigt einen verbreiterten prävertebralen (retropharyngealen) Raum.
- Hals-CT mit i.v. Kontrastmittel, wenn sicher möglich, oder wenn nach 48–72 Stunden i.v. Antibiotika keine Besserung eintritt. Das CT wird dem MRT vorgezogen, das langsam ist und Sedierung erfordert.
- Erreger: Streptokokken der Gruppe A, Staphylococcus aureus und orale Anaerobier.
- I.v. Ampicillin-Sulbactam (oder Clindamycin); bei schwerer Erkrankung Vancomycin oder Linezolid gegen MRSA ergänzen.
- Operative Drainage und Kultur bei Atemwegsgefährdung, großem Abszess oder fehlender Besserung.
- Neue Thoraxschmerzen sprechen für eine Mediastinitis.
- Angina Ludovici: pralle submandibuläre Schwellung, Verhärtung des Mundbodens und Kieferklemme ausgehend von infizierten 2. oder 3. unteren Molaren; Atemweg schützen, dann Ampicillin-Sulbactam (oder Ceftriaxon plus Metronidazol).
Ein vergrößerter Halslymphknoten

| Typ | Hinweise | Management |
|---|---|---|
| Akut bakteriell | Einseitig, gerötet, überwärmt, druckschmerzhaft; S. aureus oder Streptokokken der Gruppe A | Orale oder i.v. Antibiotika; i.v.: Clindamycin bei niedriger lokaler Resistenz, Vancomycin bei hoher; Ultraschall zur Abszesssuche; Drainage bei Fluktuation; bei Zahnerkrankung Anaerobier mitabdecken |
| Nichttuberkulöse Mykobakterien | Gesundes Kind 1–4 Jahre, chronischer einseitiger submandibulärer oder vorderer zervikaler Lymphknoten, livide Haut, wenig Schmerz; Mycobacterium-avium-Komplex; IGRA und Röntgen-Thorax negativ | Vollständige chirurgische Exzision; Inzision und Drainage vermeiden (chronische Fistel); ist die Exzision nicht möglich, Azithromycin plus Rifampicin, bei ausgedehntem Befund zusätzlich Ethambutol |
| Actinomyces | Chronisch fistelnde Kiefer- oder Halsläsion nach Zahnerkrankung; Schwefelkörnchen | Monatelang Penicillin plus Drainage |
Angeborene Halsschwellungen und Heiserkeit

Heiserkeit, die nach 4 Wochen nicht besser ist, erfordert eine Laryngoskopie oder HNO-Überweisung vor einem routinemäßigen CT oder MRT. Bei Verdacht auf eine ernste Ursache früher abklären.
| Raumforderung | Lage und Hinweise | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Ductus-thyreoglossus-Zyste (häufigste angeborene Halsschwellung) | Mittellinie; steigt beim Schlucken und Herausstrecken der Zunge | Normale Schilddrüse bestätigen (Ultraschall), dann Operation nach Sistrunk |
| Dermoidzyste | Mittellinie; bewegt sich mit der Haut, nicht beim Schlucken; nicht druckschmerzhaft | Chirurgische Exzision |
| Zyste der zweiten Kiemenspalte | Lateral, entlang des Vorderrands des M. sternocleidomastoideus; evtl. kleine sezernierende Öffnung | Chirurgische Exzision |
Häufige Fragen
Sollte ein Kind mit Halsschmerzen und Husten auf Streptokokken getestet werden?
Nein. Eindeutige virale Zeichen wie Husten, Schnupfen oder Konjunktivitis machen Streptokokken unwahrscheinlich; Test und Antibiotika werden daher nicht empfohlen.
Wie hoch ist die Amoxicillin-Dosis bei Streptokokken-Angina bei Kindern?
50 mg/kg einmal täglich, maximal 1,000 mg pro Tag, für 10 Tage.
Wie behandelt man eine Lymphadenitis durch nichttuberkulöse Mykobakterien?
Durch vollständige chirurgische Exzision des Lymphknotens. Inzision und Drainage werden vermieden, weil sie eine chronische Fistel hinterlassen.
Wie unterscheidet man eine Ductus-thyreoglossus-Zyste von einer Dermoidzyste?
Beide liegen in der Mittellinie. Eine Ductus-thyreoglossus-Zyste steigt beim Schlucken und Herausstrecken der Zunge; eine Dermoidzyste nicht.
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Quellen
- IDSA 2012: Klinische Leitlinie zur Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A (Clinical Infectious Diseases)
- CDC: Klinische Empfehlungen zur Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A
- AAO-HNS 2018: Klinische Leitlinie: Heiserkeit (Dysphonie) (Aktualisierung)
Für Pedemy in eigenen Worten nach den obigen Quellen geschrieben; geprüft November 2026. Nur zur Bildung, keine medizinische Beratung; prüfen Sie Dosen und lokale Protokolle, bevor Sie Patienten behandeln. Pedemy ist unabhängig und nicht mit den genannten Organisationen verbunden oder von ihnen empfohlen.
